Hub Ostafrika: Challenge 1

Gesunde und funktionale semiaride Landschaften

Der Norden von Kenia ist mit raschen und tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt konfrontiert. Häufigere Dürren, veränderte saisonale Niederschlagsmuster, die Ausbreitung invasiver Arten und der kontinuierliche Verlust von Biodiversität, Boden und Wasserressourcen beeinträchtigen die Lebensgrundlage von Hirt:innen und Kleinbauerbetrieben. Dazu kommen die Auswirkungen des Bevölkerungswachstums – viele Menschen kommen aus anderen Teilen Kenias wegen der Arbeitsmöglichkeiten, die sich durch die Investitionen im Rahmen des Projekts «Lamu Port, South Sudan, Ethiopia Transport Corridor» (LAPSSET) ergeben. Dies wiederum erhöht den Druck auf das Land und die natürlichen Ressourcen und führt zu Konkurrenz und Konflikten. Wildtiere und Viehzüchter:innen haben immer weniger Platz – der Raum für Grasen und Wanderung wird immer kleiner. Die Lebensgrundlagen und das Wohlergehen der Communitys sind bedroht und Konflikte nehmen zu – nicht zuletzt wegen der Frage, wie das Allmendgut (die «common pool resources») zu verwalten ist. Zudem kann die Natur ihre lebenswichtigen Ökosystemdienstleistungen nur noch eingeschränkt erbringen.

East Africa Challenge 1
Unser Ziel
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Erhaltung multifunktionaler semiarider Landschaften und Stärkung der Landschaftsvernetzung, um den gemeinsamen Nutzen für Natur und Mensch zu maximieren.

Mitgestaltung von Lösungen und Stewardship
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Aufgrund des gesammelten systemischen Wissens wurde eine erste Reihe miteinander verbundener Projekte gemeinsam mit verschiedenen Akteuren in dieser Landschaft entwickelt. Konkrete Innovationen werden gemeinsam erarbeitet und vor Ort getestet, um die Konnektivität der Landschaft für verschiedene Nutzer zu verbessern. Parallel arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partner darauf hin, dass solche Landschaftsverbindungen - zum Beispiel Migrationskorridore, die sowohl von Wildtieren als auch von Nutztieren genutzt werden - durch die Entwicklung eines partizipativen und evidenzbasierten Raumplanes auf Bezirksebene ofiziell anerkannt und publiziert werden können. Durch die Zusammenarbeit mit der Nationalen Landkommission von Kenia (NLC) wird es möglich sein, solche auf Bezirksebene entwickelten Ansätze zu skalieren.

Laufende Projekte
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Pilotprojekt für ein nationales Inventar empfindlicher Ökosysteme
Mit diesem Pilotprojekt soll ein räumliches Inventar empfindlicher und lebenswichtiger ökologischer Ressourcen in den Trockengebieten Kenias (Laikipia, Samburu, Baringo, Isiolo und Marsabit Counties) sowie ein Rahmen für die gemeinsame Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen entwickelt werden. Im Jahr 2021 wurde eine multisektorielle Taskforce eingerichtet, um dieses Projekt unter der Leitung der National Land Commission of Kenya zu begleiten, die auch massgeblich an der Gestaltung des Pilotprojekts beteiligt war. Die wichtigsten fehlenden Daten für dieses Inventar (z. B. Quellen, Feuchtgebiete, Konzentrations- und Verbreitungsgebiete von Wildtieren, Migrationsrouten von Viehzüchtern) wurden über partizipative Kartierung und ein Crowdsourcing von Daten erfasst. Die gesammelten Daten werden in politische Prozesse und Entscheidungsfindungstools integriert, die wiederum zu einem integralen Bestandteil des nationalen Landverwaltungsprozesses werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden es der Taskforce ermöglichen, die Ressourcen gesetzlich zu schützen und gleichzeitig einen neuen Rahmen für die gemeinsame Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen zu entwickeln, der die Verantwortung zwischen der lokalen Regierung und den lokalen Communitys aufteilt.

Migrationskorridor mit doppelter Nutzung
Im Rahmen dieses Projekts werden Migrationskorridore für Wildtiere und Vieh entwickelt und erprobt, die mehr Mobilität gewährleisten und so die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und dem zunehmenden Druck auf das Land stärken. Dieser Ansatz kombiniert gewohnheitsrechtliche und formelle Grundbesitzregelungen, um die Mobilität der Menschen und der Tiere integriert zu sichern. Mit Hilfe einer Gruppe von vertrauenswürdigen Personen, sogenannten «Champions», wurde ein Prozess eingeleitet, um das Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien weiter zu stärken und eine gemeinsame Vision zu entwickeln, wie solche dualen Korridore aussehen könnten - einschliesslich Standorte, Management und Durchsetzung. Das Engagement und die Schulung der Communitys sind im Gang und die Abgrenzung und Erprobung der ersten sechs geplanten dualen Migrationskorridore hat begonnen. Die Korridore werden im Rahmen einer Partnerschaft mit Save the Elephants, dem Northern Rangeland Trust (NRT) und dem Centre for Training and Integrated Research in ASAL Development (CETRAD) umgesetzt.

Raumplanung auf Bezirksebene im Laikipia County
Gemäss der kenianischen Verfassung und dem Dezentralisierungsprozess müssen die Bezirke (Counties) einen Raumplan als Grundlage für einen integrierten Bezirksentwicklungsplan erstellen. Dieser Prozess wurde als wichtiges «Policy Window» für die Wyss Academy identifiziert, das die Integration des Naturschutzes in die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsstrategien fördern könnte. Die wichtigsten Punkte für den Hub waren der Mangel an qualitativ hochwertigen Daten, die begrenzten Kapazitäten in der räumlichen Analyse und die knappen Ressourcen für die Unterstützung eines soliden Multistakeholder-Prozesses. Indem sie einen Prozess mit Stakeholdern aus verschiedenen Regierungsbehörden und zivilgesellschaftlichen Organisationenaufgleist und die nötige technische Unterstützung bereitstellt, kann die Wyss Academy die Qualität, Quantität und Verfügbarkeit von Basisdaten verbessern. Als Grundlage für eine evidenzbasierte Planung wurde 2021 online eine gemeinsame räumliche Online-Datenbank mit Daten aus verschiedenen Sektoren und von unterschiedlichen Akteuren eingerichtet. Durch unsere Beteiligung an diesem Prozess konnten wir Aspekte der Landschaftsvernetzung und vorgeschlagene Infrastrukturen (duale Migrationskorridore) in den Plan aufnehmen.

Naturschutz unter der Leitung von Jugendlichen
Mehr als zwei Drittel der kenianischen Bevölkerung ist unter 35 Jahre alt. Entsprechend ist das Engagement der Jugend der Schlüssel für den notwendigen Wandel zu mehr sozialer und ökologischer Gerechtigkeit im Naturschutz. Dieser wird nach wie vor von privaten Grossgrundbesitzern und ausländischen Organisationen dominiert, die globale Ziele verfolgen – oft auf Kosten der lokalen Communitys. Die Wyss Academy unterstützt eine lokale Maasai-Jugendgruppe, die Mitglieder aus dem gesamten Gebiet umfasst. Wir stärken ihre organisatorischen Fähigkeiten und entwickeln gemeinsam einkommensschaffende Aktivitäten. Einerseits für den Naturschutz auf dem Land, das ihnen von den Ältesten übertragen wurde, andererseits für die Eco-Lodge, die sie verwalten. Gemeinsam organisieren wir Events zur Sensibilisierung über Sport und Kultur und fördern junge Sängerinnen aus ihren Communitys. So lassen sich wichtige Botschaften wirksam vermitteln – zum Beispiel über Frieden und den Schutz ihrer Natur und ihres kulturellen Erbes.