Hub Südamerika: Challenge 1

Förderung hochwertiger Waldprodukte mit mehrfachem Nutzen für Natur und Menschen

Die Einweihung des asphaltierten Interoceanic Highway im Jahr 2011 war ein wichtiger Meilenstein für die sozioökonomische Entwicklung des Departements Madre de Dios in Peru sowie für die angrenzenden Gebiete in Bolivien und Brasilien. Diese Wirtschaftsader hat jedoch auch bisher weitgehend unberührte Gebiete für eine Ressourcenausbeutung im grossen Stil erschlossen. Die direkten Folgen sind Abholzung und Ausweitung der Landwirtschaft, illegaler Holzschlag, Walddegradation, Verlust von Lebensräumen, Quecksilberverschmutzung durch den Bergbau, wachsende Bevölkerungszahlen und Ungleichheit sowie eine zunehmend unsichere Lage und Korruption. Dieses kulturell sehr vielfältige Gebiet, in dem mehrere indigene Volksgruppen leben, ist als Biodiversitäts-Hotspot eingestuft, verfügt über weite Flächen mit altem Waldbestand und ist bezüglich terrestrischer Artenvielfalt und Endemismus weltweit einzigartig.

South America Challenge 1

Zwischen Gebieten, die für den Wald- und Naturschutz vorgesehen sind, und Gebieten, die für die Land- und Forstwirtschaft, Stadtentwicklung oder industrielle Nutzung einschliesslich Bergbau ausgewiesen sind, liegen grosse Landflächen – die sogenannten Pufferzonen. Dazu gehören zum Beispiel Pufferzonen um Schutzgebiete, Gebiete indigener Volksgruppen sowie Konzessionsgebiete für Nichtholzprodukte aus dem Wald.

Wie lassen sich solche Pufferzonen so managen, dass sie echte Chancen bieten, negative Trends in der Landumwandlung aufzuhalten und rückgängig zu machen? Kann die Förderung hochwertiger Waldprodukte nachhaltige Lebensunterhaltsmöglichkeiten bieten, den Erhalt der Biodiversität unterstützen und dazu beitragen, diese Wälder von globaler Bedeutung zu erhalten – auch angesichts der Klimakrise? 

Wir glauben, dass Pufferzonen entlang der Waldschutzgebietgrenzen in Anbetracht der ausbeuterischen Entwicklungspfade für den nachhaltigen Naturschutz entscheidend sind. Damit sie aber nicht, wie in anderen Fällen, durch eine nicht nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Ressourcenausbeutung verdrängt werden, müssen sie wettbewerbsfähige Landnutzungsmodelle bieten, von denen sowohl die Natur als auch die Menschen profitieren.

 

Unser Ziel
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Gemeinsame Entwicklung von wettbewerbsfähigen Landnutzungsmodellen und naturbasierten Lösungen in umstrittenen Waldgrenzgebieten, die den Verlust der Biodiversität und die Waldzerstörung aufhalten und die lokale Lebensgrundlage unterstützen.

Gemeinsame Entwicklung von Lösungen und Stewardship
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Nach dem ersten Co-Design-Workshop, der 2019 in Lima stattfand, war ursprünglich ein noch konkreter ausgerichteter Co-Design-Workshop für 2020 geplant, der dann auf 2021 verschoben wurde und in Madre de Dios stattfinden sollte. Ziel des Workshops war es, konkrete Innovationen zur Verbesserung der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung der Paranuss zu identifizieren. Die Paranuss war als vielversprechendes Nichtholz-Waldprodukt (NTFP) identifiziert worden, das sowohl Vorteile für die Menschen (z. B. Einkommen) als auch für die Natur (z. B. Waldschutz) bietet. Der Plan sah vor, die wichtigsten Stakeholder aus der Paranuss-Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zur Verarbeitung und Vermarktung, einschliesslich der Dienstleistungserbringung entlang der Wertschöpfungskette – in einem Co-Design-Prozess zusammenzubringen, um eine gemeinsame Vision für das Waldgrenzgebiet Madre de Dios zu formulieren. Dies hätte es ermöglicht, bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse mit lokalem und indigenem Wissen, Normen und Gewohnheiten zu verbinden. Und vor allem wäre es so möglich gewesen, eine Reihe vielversprechender Inkubatoren zu identifizieren. Aufgrund von Covid-Beschränkungen war es jedoch nicht möglich, diesen Plan umzusetzen. Um das Momentum aufrechtzuerhalten, wurde mit Partnern in Peru ein innovativer Ansatz entwickelt: Ausgewählte Akteure entlang der Paranuss-Wertschöpfungskette wurden eingeladen, ihre innovativen Ideen in einem kurzen Video-Pitch vorzustellen. Ein Multi-Stakeholder-Komitee, die sogenannte «Paranusskoalition», bewertet die Pitches und wählt dann Anfang 2022 bis zu fünf Projekte aus die umgesetzt werden.

Laufende Projekte
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Innovative Naturschutz-Governance
Nachdem wir unsere spezifischen Inputs und Untersuchungen zum Strategischen Pufferzonenplan (PEZA) des Tambopata-Naturreservats in Madre de Dios abgeschlossen hatten, setzten wir unsere Zusammenarbeit mit unserem Partner Conservatión Amazónica (ACCA) fort, um zu prüfen, wie sich die Erfahrungen mit dem partizipativen Pufferzonenmanagement und -monitoring in die gesetzlichen Bestimmungen der Regionalregierung von Madre de Dios, die das Management von Schutzgebieten in der gesamten Region regeln, integrieren lassen. 2022 wollen wir gemeinsam mit der ACCA Möglichkeiten prüfen, wie sich ein solcher partizipativer Ansatz für das Management und die Überwachung von Pufferzonen auf nationaler Ebene ausweiten lässt.

Indigenes Wissen
Im Rahmen der interaktiven Wissensplattform der Wyss Academy haben wir zusammen mit unserem Partner ACCA begonnen, mit indigenen Jugendlichen zusammenzuarbeiten, um die Kluft zwischen indigenen und wissenschaftlichen Wissenssystemen zu überbrücken. Ziel dieses Projekts ist es, die indigene Jugend in den Communitys der Schutzgebietspufferzonen (Amarakaeri Communal Reserve, Los Amigos Conservation Area) zu den Themen Naturschutz und nachhaltige Waldbewirtschaftung zu schulen. Diese Schulung kombiniert wissenschaftlich-technische Kenntnisse und indigenes Wissen, um das Naturschutzverständnis und die Naturschutzpraktiken der indigenen Bevölkerung neu zu bewerten und zu stärken. Solche Initiativen sollen Möglichkeiten zur Sicherung des Lebensunterhalts bieten und vor allem auch die kulturelle Bedeutung der Wälder und der darin lebenden Tiere und Pflanzen für die indigenen Communitys schützen.

Paranuss
Bis zu fünf der vielversprechendsten Video-Pitches, die 2021 eingereicht wurden, werden für die Umsetzung als Inkubatoren ausgewählt. Wenn möglich, werden mehrere Pitches zusammengeführt, um Synergien zu nutzen und neue Partnerschaften zu entwickeln oder bestehende Partnerschaften zu stärken. Das Ziel ist, dass der Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung von Paranüssen den Schutz der Wälder unterstützen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen vor Ort verbessern.